Arizona, die ersten Wochen

Nach dem viereinhalb Stunden Flug von New York nach Phoenix bzw. Scottsdale noch kurzerhand die Armbanduhr drei weitere Stunden zurückgestellt, die Flugzeugtür hinter mir gelassen und mit einem Gefühl von Anspannung, Vorfreude sowie Neugierde den Gangway in Richtung Terminal betreten, wo mich meine Gastfamilie in Empfang nehmen sollte.
Bei einer amerikanischen Gastfamilie denkt man schnell an Vater, Mutter und zwei Kinder mit Haustier. Nach vorherigem Kontakt wusste ich bereits, dass meine „Gastfamilie“ dieses typische Bild nicht erfüllen wird, denn sie besteht aus nur zwei Personen:
Anneliese (46, Professorin) und Ihrem Neffen Joshua (27, Student), der mit bei ihr im Haus wohnt und somit mein Zimmernachbar ist.  Beide kommen gebürtig aus dem nördlichen Staat Montana und sind ausgesprochen sympathisch. Das Klischee, dass Amerikaner sehr tierlieb sind und oftmals Haustiere haben, trifft allerdings zu. Das Haus wird mit drei Katzen geteilt.
Nachdem die ersten Worte gewechselt waren, mir mein Zimmer und das Haus mit Pool im Garten gezeigt wurden, hatte ich angenehmerweise recht schnell den Eindruck, dass ich es hier ein Jahr aushalten würde können.

Ph

Anflug auf Phoenix

Dennoch musste (und muss) ich mich zunächst einmal in die Sprache reinhören, denn dieses amerikanische Englisch ist teilweise nicht immer ganz einfach zu verstehen. Insbesondere die – ohnehin merkwürdigen – Witze von Joshua sind eher schwer verständlich – inhaltlich wie sprachlich. Wir haben uns jedoch aufeinander eingestellt, teilen das gemeinsame Hobby Basketball spielen und kommen sehr gut miteinander aus. Im Oktober werden wir vorausichtlich eine Show seines Lieblings-Comedians besuchen. Hoffentlich kann ich dort und bis dahin ein wenig mehr über die Witze lachen…

Neben dem sprachlichen Aspekt war die größte Umstellung anfangs die der Temperatur, denn die Hitze hier in Arizona ist im Hochsommer (Mai-August) selbst für Einheimische kaum auszuhalten. Deshalb hält man sich tagsüber überwiegend in den klimatisierten Gebäuden bzw. Räumen auf. Dort herrscht im Vergleich zur Außentemperatur dann meistens ein Temperaturunterschied von bis zu 30 Grad Celsius. Mittlerweile komme ich damit aber sehr gut zurecht. Zudem wird es so langsam erträglicher und alle freuen sich auf den sehr milden Herbst/Winter.

image(2)

Scottsdale Downtown

Nach dem ersten Wochenende und den ersten Eindrücken sollte ich am Montag  (12. August) also den Englisch-Einstufungstest am circa 18 Kilometer entfernt gelegenen College (SCC – Scottsdale Community College) absolvieren. Anneliese ist Professorin an dem gleichen College und somit war mitunter ein Vorteil, dass ich bei ihr mitfahren konnte, da ich noch kein eigenes Auto hatte.
Das Testergebnis war verhältnismäßig gut und ich muss im Semester keine Englisch- Kurse belegen, sondern hatte freie Wahl aus dem breit gefächerten College-Katalog. Die meisten Kurse zählen 3 Credit-Points und sind am SCC angeblich überdurchschnittlich teuer. Aus diesem Grund durfte ich mich vom Programm aus nur für 6 anstatt für üblicherweise 12 Credits einschreiben.
Meine Wahl fiel auf die Kurse „International Business“ und „Principles of Marketing“.
Als Ausgleich hatte ich zudem die Möglichkeit für 500 US-Dollar sogenannte Non-Credit Kurse zu belegen. Dort entschied ich mich für den sechswöchigen Online-Kurs „Project Management Fundamentals“, einen zweitägigen Kurs „Learn how to negotiate“ und eine Mitgliedschaft im College Fitness-Center.
Darüber hinaus besuche ich aus Interesse und nicht offiziell den Kurs „Interkulturelle Kommunikation“, welcher von Anneliese unterrichtet wird – ein weiterer Vorteil, der sich hier auftat.

Neben dem College standen in der ersten Woche die bereits im letzten Beitrag genannten organisatorischen Dinge auf dem Plan.
Demzufolge eröffnete ich ein Bankkonto bei der Bank of America, beantragte meine Social Security Nummer und erhielt – erfreulicherweise ohne Test, Fahrprüfung oder sonstige Komplikationen – meinen US-Führerschein. Stipendiaten in anderen US-Staaten hatten hier im Vergleich deutlich mehr Schwierigkeiten.
Schließlich wurde ich Ende der ersten Woche nach ausgiebiger und gründlicher Suche auf „craigslist“ (vergleichbar mit „eBay Kleinanzeigen“) auch hinsichtlich eines Autos fündig. Den Wagen zweimal Probe gefahren, grünes Licht von unserem Nachbarn (Mechaniker) eingeholt und  mein allererstes Auto sollte ein weißer Pontiac Grand Prix GT sein.

Foto

Pontiac Grand Prix GT

Die Tatsache, dass die Autos von einer Privatperson um einiges günstiger sind als von einem Händler, gewichtete ich im Vorfeld höher als den Hinweis, dass man auch eher Probleme mit dem Auto haben könnte.
Leider musste ich diese Erfahrung fünf Tage nach dem Kauf machen, als die Klimaanlage ausfiel und die elektrischen Fenster ohnehin noch auf eine Reparatur warteten. Somit hatte ich zwei Wochen eine mobile Sauna anstatt eines klimatisierten Pontiacs, bis diese und die Fenster schließlich von unserem Nachbarn repariert werden konnten. Auf diese Erfahrung hätte ich gut und gerne verzichten können, zumal ich gewiss kein Saunagänger bin und das Autofahren bei Außentemperaturen von etwa 45 Grad Celsius einfach nicht mehr spaßig ist.

Abschließend möchte ich noch von den ersten Auffälligkeiten in Arizona hinsichtlich ‚da sein ist anders – anderes Land, andere Kultur, andere Sitten‘ berichten.
Der Orangenbaum im Garten, die wunderschönen Sonnenuntergänge (mitunter bedingt durch den reflektierenden Wüstenstaub in der Troposphäre) sowie die Palmen und Kakteen am Straßenrand lassen sofort erkennen, dass das nicht mehr Deutschland sein kann.

image(1)

Sonnenuntergang / Unsere Straße

Auf dem ‚Freeway’ (vergleichbar mit einer deutschen Autobahn), meist drei- oder vierspurig, gibt es hier eine zusätzliche linke Spur auf der ausschließlich Fahrzeuge mit zwei oder mehr Insassen fahren dürfen und bei Nichteinhaltung drohen hohe Strafen. Damit möchte man das „Car-Sharing“ fördern und so den ‚Freeway’ entlasten, welcher teilweise und insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten von Staus und dahin schleichenden Automassen gekennzeichnet ist. Auf dieser linken Spur sieht man jedoch nur vereinzelt mal ein Fahrzeug und ich frage mich immer noch, ob dieser Umstand wirklich sinnvoll ist.
Wie man eventuell schon einmal gehört hat, verwenden viele Amerikaner Pappteller und Plastikbecher an Stelle von Geschirr wie wir es in Deutschland kennen. So nehmen auch wir unsere Mahlzeiten meistens von Papptellern zu uns und verwenden Plastikbecher. Dies lässt sich schlicht und einfach mit Faulheit begründen, zumindest konnte ich bisher keinen anderen Grund ausmachen bzw. erfragen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.